Welcome to Hollywood – was du in den Filmen nicht siehst

Wenn man an Hollywood denkt, denkt man an Glitzer und Glamour – right? Man denkt an Celebrities, die besten Parties, fette Villen und Erfolg.

„L.A. die Stadt der Träume, denn dort ist alles möglich“
Ein Satz, den man häufig hört. Ein Satz, den man erstmals positiv interpretiert.
Mit „alles“ assoziiert man Träume, die in Erfüllung gehen – ob Schauspielerei, Musik oder Modeln. Doch für mich hat der Satz seit neuestem eine neue Bedeutung. Den mit „alles“, meint er auch alles – von Ruhm und Erfolg, bis hin zu Obdachlosigkeit und Drogensucht. In L.A. ist wirklich ALLES möglich. 

Versteht mich nicht falsch, ich liebe L.A. Ich liebe die Möglichkeiten, die diese Stadt bietet. Ich liebe die Offenheit der Menschen. Ich liebe das Wetter, die Palmen und das Meer. Aber leider gibt es mindestens genau so viele Dinge, die ich nicht mag – wenn nicht sogar hasse. Nach fast 6 Wochen an der Ecke zur Hollywood Boulevard wohnen, bekam ich so einiges vom „wirklichen Hollywood“ mit. Und das hat so gar nichts mit Glitzer und Glamour zu tun.

Gangschießerei am Walk of Fame, nicht weit vom Hostel? Für mich beängstigend, traurig und erschreckend. Für die Amis „ganz normal“. Nicht mal die News berichten noch darüber, „passiert doch eh ständig“ wurde mir gesagt.

Obdachlose überall. L.A. ist die Stadt mit der höchsten Obdachlosenrate in Amerika, und das wird dir nach spätestens 2 Tagen in der „Stadt der Engel“ auch bewusst.
Walk of Fame – eine der bekanntesten Sehenswürdigkeit LA’s. Für mich wurde es mit der Zeit aber immer mehr ein Walk of Shame – und nicht weil ich von One Night Stands heimgegangen bin. Nein, weil der Walk of Fame VOLL mit Obdachlosen ist. Und ich mich jedes Mal schlecht fühlte, mit meinen Marken-Sneakers und Takeaway Food an ihnen vorbeizulaufen. Anfangs, gab ich ihnen noch Kleingeld, aber wenn du jeden Tag die Hollywood Boulevard entlang läufst, und du jeden Meter einen Obdachlosen findest, wirds auf Dauer schwierig. Es ist ein komisches Gefühl, Obdachlose Menschen am Straßenrand liegen zu sehen. Daneben hunderte, nein tausende von Touristen, die für das perfekte Foto mit den Sternen ihrer Lieblings-Celebrities posieren. Ein ganz normales Bild in L.A. Ein erdrückendes Bild. 

Processed with VSCO with m5 preset
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Einer meiner emotionalsten Momente während meiner Zeit in L.A. war ebenfalls mit Obdachlosigkeit verbunden. Ich habe jemanden kennengelernt, da er immer auf der Terrasse des Hostels chillte. Extem arrogant, aber ansonsten ein „normaler Hostelgast“, dachte ich. Bis er mir aufeinmal sein Handy in die Hand drückte, und er in seinen Notizen geschrieben hatte „I know you work at the hostel, but I hope I can trust you anyway. I am not a guest. I am homeless. I have a roomcard to take showers and charge my phone. That’s why I never answered your question how long I am staying here“ Damn. Das kam so unerwartet für mich und ich hatte keinen Plan was ich darauf antworten sollte. Er fragte mich ob wir „kurz“ rausgehen können um zu reden und um nicht das Handy mit den Notizen hin und her reichen zu müssen.

Gesagt, getan. Er erzählte mir seine ganze Story, wie es zu seiner Situation kam.

Angefangen vom Traum der Schauspielerei, welchen ihn von Paris nach L.A. brachte, über keine Aufträge mehr, bis hin zu Drogen, Einbrüchen und Gefängnis.
Welcome to Hollywood“ ein Satz den er immer wieder betonte. Tagelang. Wochenlang. Ein Satz, der mit seither so stark im Kopf hängenblieb, dass mir danach war, ihm einen Blogpost zu widmen. 

Als ich nach diesem Gespräch früh morgens zurück in mein Zimmer kam, konnte ich ewig nicht einschlafen. Zu viele Gedanken schwirrten mir durch den Kopf. Das war auch der Moment, als ich diese Caption verfasst habe.

„I met this guy. And tbh he looked really good. Its hard to describe, but he was acting kinda weird. He wasn‘t really talking to anyone while sitting in a group, he didn‘t want to answer simple questions. That‘s why I instantly thought he was super arrogant and haughty.

Later he asked me if we can talk alone for a bit. This „bit“ turned into hours of telling me his story. Turns out that his life is pretty fucked up, and that he is acting this way, because people betrayed him over and over again. He came to L.A. with a dream, with a vision and now he is homeless. Everything he still owns fits into a small backpack.

What I wanted to say with this is, that we should stop judging people without knowing their story. Without knowing why they are acting in a certain way. I don‘t know if you are doing this, but this situation showed me that I am still doing it, and we have to stop.“

 L.A. – eine Stadt in der Armut und Reichtum so nahe beinander liegt. Selbst jetzt, während ich diesen Beitrag schreibe, habe ich vom Fenster direkten Blick auf einen Obdachlosen, während die teuersten Autos an ihm vorbeifahren. 

Die Obdachlosigkeit alleine macht Hollywood aber nicht zu dem für mich meist-gehasstesten Viertel LA’s. Sondern auch der Pisse-Geruch an jeder Ecke. Die komischen Typen, die dir auf der Straße Geld gegen Sex anbieten. Oder die Typen, die dir Jobs als Stripperin oder Prostituierte anbieten. Oder die Typen, die aggressiv werden, sobald du ihnen sagst, dass kein Interesse besteht. 

„Welcome to Hollywood“ der Ort an dem dir bewiesen wird, dass nicht alles Gold ist was glänzt – wie man so schön sagt. Lasst euch also nicht von den perfekten Fotos und Geschichten verzaubern. Natürlich gibt es auch an Hollywood schöne Seiten, wie schließlich überall, aber es ist lange nicht so super und fancy wie es überall dar gestellt wird. 

btw: ich hätte euch gerne Fotos gezeigt, von dem was ich als „wirkliches Hollywood“ bezeichne, jedoch fände ich es ziemlich weird und anstandslos Fotos von Obdachlosen zu machen. Würd mich aber freuen, wenn ihr darauf achtet, falls ihr (bald) nach Los Angeles kommt und lässt mich auch gerne wissen, wie ihr es empfunden habt 🙂 

-leni 

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Ich bin Leni und eine "ganz normale Studentin" aus Wien. Eine ganz normale Studentin mit einer Vorliebe für Naps, Burger und Reisen :)

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